Lateinamerika

Firmenflucht nach US-Sanktionen – Havanna wehrt sich gegen den Destabilisierungskurs Washingtons

Die USA verschärfen ihren Kurs gegenüber Kuba und setzen mit Sanktionen unverkennbar auf einen Regimewechsel in Havanna. Die völkerrechtswidrigen US-Maßnahmen treffen nicht nur die kubanische Gesellschaft und ihre Wirtschaftsbetriebe, sondern auch deren Geschäftspartner in westlichen Ländern.
Firmenflucht nach US-Sanktionen – Havanna wehrt sich gegen den Destabilisierungskurs Washingtons© Urheberrechtlich geschützt.

Aufgrund der von Washington gegen Kuba verhängten Sanktionen reduzieren europäische und andere westliche Unternehmen ihre Geschäftskontakte mit der sozialistischen Karibikinsel. Auch wenn Havanna in letzter Zeit bemüht war, das Verhältnis zu dem übermächtigen nördlichen Nachbarn zu normalisieren, scheinen die Gespräche zwischen den ungleichen Partnern jedenfalls nicht im langfristigen Interesse Kubas zu verlaufen.

So hat Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel in diesem Zusammenhang seinem US-Kollegen vorgeworfen, die "Blockade" gegen die Insel weiter zu verschärfen, wie die Berliner Zeitung (BLZ) berichtet. Havanna werde sich gegen die "Aggressivität und Perversität der Yankee-Regierung" und auch gegen einen möglichen "imperialistischen Angriff" wehren, so Díaz-Canel.

Die starken Worte des kubanischen Präsidenten sind vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Insel zu sehen, die durch den Rückzug ausländischer Unternehmen aus Kuba verschärft werden.

Rückgang des Tourismus

In den letzten Jahrzehnten hatte Havanna auf die Entwicklung des Tourismus für westliche Besucher gesetzt. Nun ziehen sich jedoch spanische Reiseunternehmen, aber auch eine indonesische Hotelkette ganz oder teilweise aus dem Kuba-Geschäft zurück. Auch ein kanadischer Anbieter wird die Karibikinsel verlassen.

Ähnlich sieht es im Logistikbereich aus: Reedereien wie die französische CMA CGM oder die deutsche Hapag-Lloyd hätten sich bereits im vergangenen Monat dem stärker werdenden Druck der USA gebeugt und die Bedienung kubanischer Häfen beendet.

Washington zielt auf die ökonomische Basis der kubanischen Führung

Wie in der Vergangenheit in anderen Fällen greife die Trump-Regierung auf ein "bewährtes" Muster zurück, wenn es darum gehe, ein Land zu destabilisieren. Die USA haben, so die BLZ, sogenannte Sekundärsanktionen weltweit gegen Unternehmen verhängt, die mit Unternehmen und Machtstrukturen in Havanna in irgendeiner Weise kooperieren. Die Maßnahmen zielten auf eine Schwächung der Gaesa-Unternehmensgruppe (Grupo de Administración Empresarial de las Fuerzas Armadas, deutsch: Gruppe für Unternehmensverwaltung der Streitkräfte), die eng mit dem kubanischen Militär verbunden ist. Faktisch handelt es sich bei der Gaesa um einen Mischkonzern, der Banken, Hotels, Tankstellen sowie Teile des Einzel- und Außenhandels kontrolliert. Washington droht, das Vermögen ausländischer Unternehmen einzufrieren, die mit der Gaesa zusammenarbeiten. Auch könnten die USA den Zugang zum US-Finanzsystem für entsprechende Firmen sperren. Das rabiate Vorgehen Washingtons gegen die Gaesa rechtfertigte der US-Außenminister Marco Rubio während einer Anhörung im US-Senat mit der Behauptung, das Unternehmenskonglomerat kontrolliere "praktisch den gesamten Tourismussektor" Kubas.

Wirksames Sanktionsinstrument – US-Kreditkarten funktionieren nicht mehr

Die Washingtoner Politik folgt auch auf anderem Gebiet ihrem erprobten Drehbuch: Die verschärften US-Sanktionen richten sich gegen den internationalen Zahlungsverkehr des Karibikstaates. Daher werden die bislang weltweit dominierenden Mastercard- und Visa-Kreditkarten ab diesem Wochenende auf Kuba nicht mehr funktionieren, wie die kubanische Zentralbank mitgeteilt habe. Außerdem habe eine ausländische Partnerbank bereits am 2. Juni die Zusammenarbeit mit dem kubanischen Finanzdienstleister Fincimex beendet. Als Begründung habe die Bank angeführt, ab dem 6. Juni seien Geschäfte mit Fincimex "rechtswidrig und unmöglich", weshalb bestehende Verträge nicht mehr erfüllt werden könnten.

Auch Fincimex gehöre zur Gaesa-Unternehmensstruktur. Havanna führt den Abbruch der Geschäftsbeziehungen auf eine Anordnung des US-Präsidenten von Anfang Mai zurück, die Sanktionen gegen Unternehmen androht, die mit Gaesa – oder deren Tochtergesellschaften – zusammenarbeiten.

Havanna sieht im Vorgehen Washingtons gegen Wirtschaftsaktivitäten der Karibikinsel und ihrer internationalen Geschäftspartner eine "Erstickungsstrategie gegen das kubanische Volk". Die kubanische Führung bestreitet die US-Behauptung, die Gaesa verwende ihre Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft, dem Außenhandel oder aus den Finanztransfers zur Finanzierung des Staatsapparats und des Militärs.

Weitere Sanktionen und Verschärfung der Wirtschaftskrise

Washington erhöht den Druck auf Kuba jedoch nicht auf institutioneller Ebene, wie das Beispiel von Gaesa zeigt. Das US-Finanzministerium hat darüber hinaus weitere extraterritoriale Sanktionen gegen die Familien von Präsident Díaz-Canel sowie gegen Angehörige des ehemaligen Präsidenten Raúl Castro verhängt. Zudem hatte Washington im Mai 2026 Anklage gegen den 94-jährigen Castro erhoben (RT DE berichtete).

Derweil verfehlen die antikubanischen Sanktionen ihre Wirkung nicht. Besonders hart wird die Insel von einer Energiekrise getroffen, die durch das Ausbleiben von Öllieferungen aus Venezuela verursacht wird, nachdem die USA Anfang des Jahres Präsident Nicolás Maduro in einer Kommandoaktion gekidnappt und einen Regimewechsel herbeigeführt hatten. Treibstoffmangel und Stromausfälle sind die Folge, dazu sind Versorgungsengpässe an der Tagesordnung.

Besuchten im Jahr 2018 noch rund 4,7 Millionen ausländische Touristen die Insel, waren es 2026 nicht einmal halb so viele – nur noch 1,9 Millionen Besucher verzeichneten die kubanischen Statistiker. Im April 2026 seien gerade einmal 30.000 Touristen gekommen.

Vor diesem Hintergrund habe der Botschafter Kubas bei den Vereinten Nationen vor einer sich verschärfenden "humanitären Notlage" gewarnt. Die Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen: Die Karibikinsel steht am Beginn der Hurrikan-Saison, und es drohe ein "explosiver Cocktail", dessen Zutaten eine Wirtschaft im Niedergang, mangelhafte Versorgung und Energiekrise bilden.

Mehr zum Thema – Russlands Vizepremier: Russische Unternehmen sind bereit, in Projekte in Kuba zu investieren

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.