
Die erstaunlichste wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Welt: Mit Nordkorea hatte niemand gerechnet

In einem ausführlichen Artikel berichtet das Wall Street Journal über eine überraschende wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, mit der wohl niemand gerechnet haben dürfte: "Nordkorea ist die wohl ungewöhnlichste Wachstumsgeschichte der Welt. Seine Wirtschaft boomt wie seit Jahren nicht mehr, begünstigt durch Waffenverkäufe und Truppenentsendungen nach Russland, Lieferungen und Finanzierungen aus China sowie die Möglichkeit, internationale Sanktionen zu umgehen und so mehr Energie, Komponenten und Materialien zu importieren," heißt es in der US-Zeitung.
Zwar veröffentlicht die Staatsführung keine offiziellen Wirtschaftsdaten, doch nicht nur im Stadtbild der Hauptstadt Pjöngjang sind die positiven Entwicklungen unverkennbar, wie westliche Besucher berichten, die das Land schon früher bereist hatten.

Westliche Besucher zeigen sich "verblüfft"
So berichtete die Britin Zoe Stephens, dass vor der Corona-Pandemie alle Zahlungen bar abgewickelt wurden. Bei ihrem Besuch in Pjöngjang im letzten Jahr sah sie, dass immer mehr Einheimische mit ihren Smartphones einkauften. "Sie nutzten Lieferdienste und Apps für bargeldloses Bezahlen, die man mit dem Handy nutzen kann", sagte sie.
Der australische Reiseveranstalter Rowan Beard zeigte sich "total verblüfft", dass man auf Taxis nicht mehr lange warten musste und man die Fahrt des Taxis in Echtzeit per App verfolgen konnte.
Der britische Content Creator George Devedlaka, der im April 2025 am Internationalen Marathon von Pjöngjang teilnahm, zeigte sich erstaunt, wie viele Einheimische die Läufer mit ihren Smartphones filmten.
Der Betreiber eines YouTube-Kanal über Nordkorea, Ben Weston, besuchte letztes Jahr eine Sonderwirtschaftszone nahe der chinesischen und russischen Grenze. Dort entdeckte er eine neue Taxiflotte und moderne Gebäude, die ältere Häuser ersetzten. "Diese Projekte schienen überall im Land stattzufinden", sagte er.
Auch der österreichischen Filmemacherin Brigitte Weich, die das Land seit 2018 nicht mehr besucht hatte, stachen die vielen "schicken" Autos ins Auge. Elektrofahrzeuge und importierte Autos seien weit verbreitet, sagte sie, und immer mehr Einheimische besäßen ein Auto.
"In den Restaurants werden Pizza aus dem Steinofen und Chicken Wings serviert. Gäste können per QR-Code-System auf ihren Mobilgeräten bezahlen. Chinesische Elektrofahrzeuge flitzen durch die Straßen. Pjöngjang hat neue Tierhandlungen, ein Internetcafé und Autohäuser, die BMWs verkaufen", beschreibt das Wall Street Journal das neue Leben in Nordkorea.
Zudem habe Staatschef Kim Jong-un einen landesweiten Bauboom ausgelöst. "Im vergangenen Jahr baute Nordkorea 10.000 neue Wohnungen in Pjöngjang – mehr als Los Angeles oder Chicago zusammen", so die Zeitung. Große Bauprojekte seien abgeschlossen worden, die jahrelang stillgestanden hätten, "darunter Pjöngjangs größtes Krankenhaus, ein Gewächshauskomplex, der größer ist als der Central Park in New York, und eine neue Strandresortanlage", so das Finanzblatt.
Neben diesen unmittelbar sichtbaren Veränderungen zeugen auch andere Indikatoren von dem wirtschaftlichen Aufstieg des Landes mit seinen geschätzten 26 Millionen Einwohnern. So gibt es Berichte südkoreanischer Denkfabriken mit Titeln wie "Sanktionen sind auf Satellitenbildern nicht sichtbar", laut denen Nordkorea nachts heute etwa dreimal so hell wie vor fünf Jahren erstrahlt.
Laut Schätzungen der südkoreanischen Zentralbank wuchs Nordkoreas Wirtschaft 2024 um 3,7 Prozent; Tendenz anhaltend. "Das Regime ist reicher denn je", sagte Jung H. Pak, eine hochrangige US-Beamtin, die unter der Regierung von Joe Biden für Nordkorea zuständig war.
"Alles hat sich grundlegend verändert"
Dabei sah die Lage vor fünf Jahren noch ganz anders aus. Weil das Land während der Corona-Pandemie seine Grenzen schloss, brach der Handel mit China ein. Energieknappheit sorgte für Produktionsunterbrechungen. Ein Mangel an Grundnahrungsmitteln verschärfte die Versorgungslage – laut UN-Angaben, die sich jedoch nicht überprüfen lassen, ist die Hälfte der Bevölkerung noch immer unterernährt.
In einer seltenen Stellungnahme räumte Kim damals die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes ein, die er aber auch der "barbarischen Blockade" infolge der US-Sanktionen zuschrieb. Kim sprach von weit verbreiteter Lebensmittelknappheit und vergoss öffentlich Tränen. "Fast alle Sektoren blieben weit hinter den Erwartungen zurück", sagte er Anfang 2021.
Fünf Jahre später, auf dem Parteitag der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) im Februar 2026, konstatierte Kim: "Alles hat sich grundlegend verändert." Der monatliche Handel mit China hat gerade einen Achtjahreshöchststand erreicht. Zahlreiche chinesische Konsumgütermarken werben mit Geschäften in Nordkorea, auch wenn diese Verkäufe gegen Sanktionen verstoßen.
Eingeleitet wurde die wirtschaftliche Kehrtwende laut dem Wall Street Journal mit dem Beginn der russischen Militäroperation in der Ukraine im Februar 2022. Durch Munitionslieferungen an Russland habe Nordkorea laut Angaben des israelischen Thinktanks Institute for National Security Studies (INSS) über 10 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Zudem habe der Einsatz der rund 15.000 nordkoreanischen Soldaten, die die russische Region Kursk gegen die ukrainische Armee verteidigt hatten, zusätzliche Einnahmen von einer halben Milliarde US-Dollar generiert.
Russisches Militär-Know-how habe es Kim außerdem ermöglicht, mehr Ressourcen in die wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes zu lenken. Nordkoreas wirtschaftliche Lage sei die beste seit Kims Machtantritt vor fast 15 Jahren und übertreffe wahrscheinlich jeden Zeitpunkt während der Herrschaft seines Vaters Kim Jong Il, der von 1994 bis zu seinem Tod 2011 regierte, so Stephan Haggard von der University of California, der seit Jahrzehnten die nordkoreanische Wirtschaft erforscht. "Für ein so armes Land ist das eine unglaubliche Leistung", sagte Haggard.
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